Derzeit 18.Tag, durchs Hochland!!!

#1 von Bernd44 , 03.10.2017 00:00

Heute sind wir um 07:00 Uhr die ersten beim Frühstück, denn wir haben heute einiges vor!
Es geht durchs Hochland über die Straße 35! Wir wollen das unbedingt mal sehen und gucken ob das wirklich so schlimm ist, wie alle sagen. Durch die Sperrung der südlichen Ringstraße ist die Strecke aber auch "alternativlos"!
Aber von vorne: Die ersten 1500m sind wir gefahren, da mündet die Seitenstraße auf die Ringstraße 1! Wie immer gucke ich schon von weitem, rechts und links, alles frei! Also mit Schwung um die Kurve. Den Rollsplitt habe ich, bei dem Tempo, nicht gesehen..... das Vorderrad geht zwar weg und ich wundere mich (Plattfuß? Gabel kaputt?) aber das Motorrad fängt sich und wir fahren durch.
Nach 80km , wir haben vollgetankt, und endlich geht es auf unbefestigte Straßen in die Berge, ins Hochland.
Erst scheint die Sonne und wir kommen gut voran. Doch schon nach ein paar Kilometern zeigt die Piste, was sie kann. Nebel, Regen und Schlaglöcher! Der nächtliche Regen steht in den Pfützen und davon gibt es noch zu wenig!
Da wir auch ankommen wollen und wir insgesamt 170 Kilometer Piste vor uns haben, gehen wir auch nicht zimperlich mit den Motorrädern um. Die stecken mehr weg, als wir denken, haben wir die letzten zwei Wochen gelernt!
Es knallt und rumpelt unter uns, oft fahren wir im Stehen. Bei der Länge der Strecke gilt es aber die Kräfte einzuteilen!!
Nach 30km würden wir beide gerne umdrehen, wie wir uns später eingestehen, aber sagen nix und fahren weiter! ;-)
Manchmal loses Geröll, manchmal Pfützen so breit wie die Straße und ebenso lang, kurze Bodenwellen wie auf dem Waschbrett, alles ist dabei!
Nach ca. 75 Kilometern gibt es im Geothermie Gebiet "Hveravellir" ein Pause für die Knochen! Im Infozentrum / Restaurant und Rezeption gibt's leckere, frisch gebackene Waffeln. Alles übrigens in Personalunion von einem jungen Mann betrieben, der, wie er uns erzählt, auch schon 3 Jahre in Deutschland LKW gefahren ist! Bis Dezember ist er hier oben, ununterbrochen und dann wird er abgelöst, damit er weiter studieren kann. Rohrnetztechnik in der, Gas- und Wasserversorgung, soweit ich das verstehe!
Ich gehe noch zu den stinkenden kleinen Vulkanen und heißen Quellen. Kurz unterhalte ich mich mit zwei Badenden in einem Natur-Hotspot, für den habe ich heute leider keine Zeit.. wir müssen ja das Hochland queren! Ich mache für die Beiden noch Fotos mit deren Kamera und für ein Bild für mich ist auch noch Zeit! Dann quälen wir die Motorräder weiter von Schlagloch zu Schlagloch! Kurz gibt es eine bessere Piste und wir erhöhen die Geschwindigkeit von 60 auf 80 km/h!!! Übermütig probiere ich es mit 90 und dann kommt, wie aus dem Nichts, in einer Bodensenke eine straßenbreite Pfütze von wahrscheinlich 2m Länge!!!! Für bremsen ist es zu spät also am Gas gedreht und drüber geflogen, zumindest mit dem Vorderrad. Wie sich das Motorrad hinten angehört hat.... ich dachte ich fahre gerade ohne Koffer weiter! Ein kurzer Blick in den Spiegel überzeugt mich aber vom Gegenteil. Was die Kisten so aushalten. Kai, als Zweiter, hatte den Vorteil zu sehen, dass ich wieder mal das Wasser teilen möchte und kann zumindest vom Gas gehen und erwischt die Senke mit 70 Stundenkilometern!! Genug um seinen Frontfender (Schutzblech vorne) zerbrechen zu lassen, wie wir beim nächsten Halt feststellen.
Da beide Maschine noch rollen, wir glauben selbst nicht daran, fahren wir weiter. Die letzten 20 Kilometer vom Kraftwerk bis zur Hauptstraße sind tatsächlichin etwas besserem Zustand und wir kommen gut voran!
Was wir alles in diesen 4-5 Stunden (incl. Pause) auf den 170 Kilometern erlebt haben, wir können es weder beschreiben noch glauben. An der ersten Tankstelle an der Ringstraße tanken wir und die Motorräder werden (wahrscheinlich zum 8.mal in den letzten 14 Tagen) gewaschen. Soll heißen, ich befreie die Krümmer, die Kühlrippen und den Motor mit viel Wasser und einer Bürste vom Schlamm, der die Kühlwirkung minimiert. Auch sehe ich meinen Öleinfüllstutzen gar nicht mehr, so dick ist die Schlammkruste! Nachdem Kennzeichen, Lampen und Rücklicht wieder als solche zu erkennen sind geht es, nach einem kurzen Kaffee, weiter!

In Akureyri, noch 99km Asphalt, haben wir zwischenzeitloch ein günstiges Hotel gefunden und gebucht! Kurz vor 18 Uhr sind wir da und merken nun erst richtig unsere Knochen. Keiner will mehr sein Bett verlassen, wo wir uns zum Ausruhen lang gemacht haben!
Den ganzen Tag war es kaum über 5 Grad warm, in den Bergen hatten wir fast permanent Nebel, bzw. sind in Wolken gefahren, dazu noch 170 Kilometer diese Straßenverhältnisse: Ein Tag wie wir ihn nicht nocheinmal erleben möchten!
Wir beschließen, dass wir für dieses Jahr unser Pensum an Schotter, Matsch und Schlamm hinter uns haben und werden in den letzten zwei Tagen in Island versuchen möglichst asphaltierte Straßen auszuwählen! ...mit dem geplanten Besuch eines Cafés in den Bergen, verwerfen wir diesen Vorsatz, nur für diese Ausnahme, aber schnell wieder.
Ansonsten ist am Mittwoch um 20:00 Uhr das Abenteuer Island zu Ende. Ein wenig freuen wir uns auf daheim, ein wenig Wehmut macht sich aber auch breit.
Aber noch sind es ja zwei Tage!!

Bernd44  
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Der 19.Tag, Entlang der Nordküste! Es wird kalt in Island!!!!
Der 17.Tag, Ich habe Fahrpause, Kai im Hochland!

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